Gericht untersagt Sonntagsarbeit bei Amazon

Lausitzer Rundschau vom 11.12.2015
Um eines vorweg zu nehmen: ich kritisiere hier nicht in erster Linie den Bericht an sich, sondern die Vorgehensweise der Gewerkschaft.
In diesem Artikel heißt es:

„Die Landesdirektion Sachsen hatte die Sonntagsarbeit im Advent bei Amazon bewilligt, woraufhin Verdi vor Gericht zog. Vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz war die Gewerkschaft noch gescheitert. Das OVG beschloss nun aber, dass die Beschäftigung von bis zu 3000 Arbeitnehmern an den Adventssonntagen unrechtmäßig wäre. (Az.: 3 B 369/15)

Der US-Onlinehändler habe den Antrag mit einer stark erhöhten Auftragssteigerung im Weihnachtsgeschäft begründet, teilte das Gericht mit. Sonntagsarbeit sei aber nur zur Verhütung eines unverhältnismäßigen Schadens gerechtfertigt. Mehr Bestellungen gebe es jedes Jahr im Weihnachtsgeschäft. Es sei nicht ersichtlich, warum Amazon den Zusatzbedarf nicht durch die Einstellung weiterer Mitarbeiter abdecken könne.“

Meine Meinung dazu:
Stimmt, jedes Jahr gibt es ein Weihnachtsgeschäft. Und dieses ist nun mal mit mehr Bestellungen verbunden. Und: Jedes Jahr werden um diese abzuarbeiten Aushilfen eingestellt. So auch in diesem Jahr.

Um Bestellungen, welche kurz vor dem 24.12. noch bei Amazon getätigt werden,  rechtzeitig zu bearbeiten war es in den vergangenen Jahren üblich, den Mitarbeitern eine freiwillige Sonntagsarbeit (an zwei Advents-Sonntagen) anzubieten. Diese wurde von vielen auch rege in Anspruch genommen. Sieht man es aus der Sicht dieser Mitarbeiter wird ihnen durch die Entscheidung des OVG die Möglichkeit genommen einen Sonntagszuschlag zu bekommen.
Ob sich die Gewerkschaft damit einen Gefallen getan hat, oder mit noch mehr Austritten zu rechnen hat, bleibt abzuwarten.

Ich persönlich sehe langfristig durchaus einen unverhältnismäßigen Schaden. Kunden, welche in diesem Jahr durch diese Entscheidung ihre Bestellung zu spät erhalten, werden eventuell im nächsten Jahr bei der Konkurrenz bestellen, da wo die Gewerkschaft noch nicht aktiv ist. Das wiederum könnte gegen Einstellungen von Aushilfen im nächsten Weihnachtsgeschäft sprechen.
Und zu dem Satz:

„Es sei nicht ersichtlich, warum Amazon den Zusatzbedarf nicht durch die Einstellung weiterer Mitarbeiter abdecken könne.“

bleibt noch folgendes zu sagen:
Wenn man die „Menschenmassen“ im Weihnachtsgeschäft in einem Lager bei Amazon sieht, die Umstände in der Kantine (begrenzter Platz) und die Gegebenheiten (verfügbare Arbeitsplätze an den Packplätzen usw.) sollte klar sein, dass weitere Einstellungen die Sicherheit (und nicht zu verachten die zwischenmenschlichen Aspekte) beeinträchtigen könnten. Als langjähriger Mitarbeiter und Betriebsratsmitglied habe ich genug in den vergangenen Jahren erlebt, was Menschenmassen am Arbeitsplatz bedeutet: da wird gedrängelt um zum Pausenraum, bzw. zum Ausgang bei Feierabend zu kommen; Mitarbeiter reagieren durch den Stressfaktor gereizter. Was das bedeuten kann will ich hier nicht weiter ausführen…

Also, es gibt durchaus Gründe, warum nicht noch mehr Aushilfen eingestellt werden.
Meiner Meinung nach, wird die Gewerkschaft sich durch diese Aktion nur noch unbeliebter machen. Und ich befürchte, dass ein noch größerer Keil zwischen die Mitarbeiter (streikende Gewerkschaftsmitglieder, nicht streikende Gewerkschaftsmitglieder und Nichtgewerkschaftsmitglieder) getrieben wird.

In diesem Sinne wünsche ich allen besinnliche und friedvolle Feiertage.

Ergänzung zum Thema (19.12.2015):

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